Wer bin ich ohne meine Essstörung?

Hast du dir diese Frage schon einmal gestellt?

Vielleicht merkst du, dass es ganz schnell nicht mehr um Essen, Gewicht & Co geht. Dass es keine so große Rolle mehr spielt, ob es sich um Anorexie (Magersucht), Bulimie, Binge-Eating, Essanfälle, oder seelisch bedingte Adipositas handelt.

Mit dieser Frage verlässt du unweigerlich das dir vielleicht vertraute Terrain von rigider Kontrolle, heimlicher Gier, Abstürzen in Maßlosigkeit. Du nimmst eher die damit verbundenen Gefühle von Macht und Ohnmacht, Stolz und Selbstabwertung, Scham und Schuldgefühlen, Ekel und Selbstbestrafung wahr.

Du verlässt in Gebiet, in dem du dich womöglich ein wenig sicher fühlst, eine Art zuhause, das diesen Namen zwar nicht wirklich verdient, aber immer noch besser scheint, als gar keines. Einen klar umgrenzten Bereich, in dem du dich auskennst, weil die Anzeige auf der Waage dir Orientierung gibt, ebenso die Zahlen und Pläne, oder auch die strategische Vorratshaltung oder -beschaffung, das Wissen um die greifbare Möglichkeit der Beruhigung eines drohenden überwältigenden inneren Aufruhrs – durch Essen.

Wer bist du ohne deine Essstörung?

Vielleicht spürst du bei dieser Frage ein Unbehagen, eine Abwehr, einen Fluchtimpuls, eine Überforderung, Angst, Scham, Widerstand, Wut…

Warum mute ich dir diese Frage dann zu?

Weil ich sie für bedeutend genug halte, weil sie mich brennend interessiert, weil ich überzeugt bin, dass du mehr bist – viel mehr – als deine Essstörung.

Und weil ich hoffe, dass diese Frage eine Sehnsucht in dir weckt oder daran andockt, weil etwas in dir, was vielleicht tief verschüttet ist, ebenfalls weiß, dass du mehr bist – viel mehr – als deine Essstörung.

Vielleicht spürst du diese Sehnsucht gelegentlich zwischendurch, wenn dich etwas daran erinnert, dass das Leben auch ganz anders sein kann – lebendig, mit einem inneren Fluss des Erlebens, bunt, voller unterschiedlicher Herausforderungen und Möglichkeiten, Bedürfnissen, Wünschen, Sinneswahrnehmungen, Sich-Selbst-spüren, Konflikten, dem Erleben von Selbstwirksamkeit….

Wenn das so ist – und wenn es auch nur ein winziger Funke in dir ist – dann bitte ich dich, einen Moment inne zu halten. Versuche wahrzunehmen, wo du diesen Funken in deinem Körper spüren kannst. Es kann dein linker Ellenbogen, deine Herzgegend, dein unterer Rücken, deine rechte Wade sein – was auch immer. Wenn es dir möglich ist, leg eine Hand auf diese Körperstelle und lenke für einen Augenblick deine ganze Aufmerksamkeit dort hin. Nur einen winzigen, klitzekleinen Augenblick – und das immer wieder, wenn du dich daran erinnerst. Es kann sein, dass es nicht immer dieselbe Stelle ist, dann nimm das wahr und wandere entsprechend mit deiner Hand und mit deiner Aufmerksamkeit.

Lass dich überraschen, wohin dich diese kleine Übung führt – und erzähl es mir gern!

Ich werde in den kommenden Beiträgen die hier angeschnittenen Themen weiter beleuchten und auch die Frage, was Essstörungen mit Trauma zu tun haben können.

Ich freue mich, wenn du dran bleibst und wir in Verbindung bleiben!

Bis bald!

Elisabeth

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Traumatherapie Praxis Speyer Elisabeth Schuster

Heilpraktikerin für Psychotherapie
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