So tickt dein Autonomes Nervensystem, wenn du eine oder mehrere lebensbedrohliche oder überwältigende Situationen erlebt hast. Das Wirken der „Neurozeption“.

Wie dein Autonomes Nervensystem deine organischen Körperfunktionen reguliert.

Du kannst dir dein Autonomes Nervensystem wie ein fein abgestimmtes Regulationssystem mit verschiedenen Alarmfunktionen vorstellen. Ein Kontrollraum in einer komplexen Fertigungsstation. Das Produkt, das dabei herauskommt, ist dein Leben als Organismus von einem Augenblick zum andern. Würde dieses Regulationssystem ausfallen, wäre dein Leben schnell zu Ende.

Dieses System ist pausenlos im Einsatz, egal was du gerade tust, denkst, fühlst, ob du wach bist oder schläfst. Es reguliert deine Atmung, deinen Herzschlag, deinen Stoffwechsel und all die fein abgestimmten Vorgänge in deinem Organismus, die in jedem Moment für die Überleben sorgen.

So sorgt dein Nervensystem für deine Sicherheit und dein Überleben: Neurozeption und Amygdala

Außerdem überwacht es deine unmittelbare Umgebung: es checkt ständig ab, ob die Situation für dich sicher genug ist oder nicht. Das macht es ebenso unablässig, wie es all die all die anderen Funktionen in deinem Organismus reguliert, auch wenn du gerade schläfst oder mit völlig anderen Dingen beschäftigt bist.

Dieses Abchecken der Umgebung durch dein Autonomes Nervensystem auf den grundlegenden Parameter „ausreichend sicher“ oder „nicht ausreichend sicher“ heißt „Neurozeption“.

Es ist die Art, wie dein Autonomen Nervensystems die Umgebung wahrnimmt.

Ein Bereich in deinem Gehirn, der „Amygdala“ oder auch „Mandelkern“ heißt, beurteilt anhand der Infos, die über die Neurozeption direkt bei ihm eingehen, ob deine augenblickliche Situation ausreichend sicher ist oder nicht. Dieser Bereich leitet im Fall von einer ernsthaften Bedrohung sofort entsprechende Reaktionen in deinem gesamten Organismus ein. Zum Beispiel bewirkt er durch das Sympathische Nervensystem, dass Stresshormone ausgeschüttet werden, dass Energie in deinen Armen und Beinen aktiviert wird, dass deine Verdauung herunterfährt, dein Herzschlag sich beschleunigt und vieles mehr.

So ist es z.B. möglich, dass du einem auf dich zu rasenden Fahrzeug ausweichst und dich durch einen Sprung zur Seite rettest, auch wenn du es noch gar nicht bewusst wahrgenommen hast, weil du gerade völlig vertieft in etwas anderes warst. Dein Autonomes Nervensystem hat die Signale wahrgenommen, direkt weitergeleitet und die Amygdala hat – schwupps – die Gefahr erkannt und die entsprechenden Reaktionen eingeleitet – autonom, selbstgesteuert, ohne deine willentliche Entscheidung, denn das hätte in dieser Situation viel zu lange gebraucht und dann wäre es schon zu spät gewesen.

Eine wunderbare Einrichtung also, ein Lebensretter, dein Autonomes Nervensystem und die Neurozeption! Ich möchte an dieser Stelle nochmal tief ein- und ausatmen und „Danke!“ sagen. Danke für diese großartige Schutzkraft meines Organismus!

Was bedeuten Traumafolgestörung, Coregulation, Trigger und Hypervigilanz?

Was geschieht nun in der Folgezeit, wenn du tatsächlich ein- oder mehrmals lebensbedrohliche oder überwältigende Situationen erlebt hast und unmittelbar danach dein Alarmsystem nicht beruhigt wurde z.B. durch verständnisvolle Zuwendung oder solidarische Parteilichkeit? Eine solche Beruhigung durch einen vertrauenswürdigen anderen Menschen heißt „Coregulation“. Sie ist ein ganz wichtiger Faktor in einer guten Traumatherapie!

Deine Amygdala kalibriert sich neu: Sie speichert bestimmte Reize, Infos, die sie im Zusammenhang mit dieser Bedrohung erreicht haben und verknüpft diese mit Lebensgefahr und entsprechendem Alarm, Aktivierung deines Organismus oder den Totstellreflex – alles ohne deine bewusste Wahrnehmung oder Entscheidung – die sog. „Trigger“.

So kann es dazu kommen, dass dir diese wichtige, deinem Überleben dienende Funktion in Zukunft größte Schwierigkeiten bereitet: Wie ein Alarmsystem, das beim geringsten Auslöser auf höchste Stufe schaltet – ohne dass du dies direkt beeinflussen kannst. Dann spricht man von einer „Traumafolgestörung“.

Vielleicht erinnerst du dich noch, wie vor einigen Jahren ständig Autoalarmsirenen losgingen, schon wenn man ein Auto nur versehentlich berührte. Das war so nervig, dass es wieder abgeschafft wurde. Der Sensor konnte eben nicht unterscheiden, ob es sich um einen Einbruchsversuch oder ein völlig harmloses Vorbeistreifen handelte.

Wußtest du, dass Hypervigilanz und Schreckhaftigkeit Symptome einer Traumafolgestörung sein können?

Eine langfristige Folge vieler solcher Alarme, z.B. bei einem bestimmten Geräusch, Geruch, Anblick oder einem anderen Sinneseindruck ohne eine tatsächlich vorhandene Bedrohung ist jedoch, dass dein Organismus in einer ständigen Alarmbereitschaft verbleibt. Dein Grundgefühl wird sich in das von Bedrohung verwandeln. Man nennt diesen Zustand „Hypervigilanz“.

Du wirst aus deiner Umgebung mehr Signale für Bedrohung wahrnehmen und andere Signale z.B. solche für Sicherheit übersehen oder anders interpretieren. Du wirst Schwierigkeiten haben, dich zu entspannen, zu genießen oder in den Schlaf zu finden.

Vielleicht kann dir dieses Wissen zu einem besseren und liebevolleren Verständnis deiner selbst helfen. Das würde mich sehr freuen!

Konkrete Möglichkeiten, wie du dein Alarmsystem schrittweise resetten kannst, beschreibe ich in meinem nächsten Blogbeitrag.

Was sind eigentlich „Trigger“?

Und was haben sie mit meinem Autonomen Nervensystem zu tun?

„Das hat mich total getriggert“ – was will ich damit tatsächlich ausdrücken?

Irgendein Sinneseindruck oder die Äußerung von jemandem löst in mir – und das heißt auch in meinem Organismus – eine ganze Kaskade von Reaktionen aus, die mit der gegenwärtigen Situation nichts zu tun haben. Die Erinnerung an ein starkes Erleben wird geweckt und versetzt mich in einen ähnlichen Zustand, wie „damals“.

Dieser Vorgang ist es etwas Alltägliches und ganz Natürliches. Es geschieht ständig, denn unser ganzes Erleben ist ein Fluss von Verknüpfungen von schon früher Erlebtem mit gegenwärtigen Erlebnissen, ein andauernder Abgleich von früheren und gegenwärtigen Erfahrungen. Trotzdem spricht hier niemand von „Triggern“.

Einem berühmten Romancier des 20. Jhd., Marcel Proust, diente der Duft eines in Tee getauchten Gebäcks als Ausgangspunkt für ein monumentales siebenteiliges Werk der Weltliteratur: „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“. Dieser Duft hat so viele Erinnerungen und Empfindungen in ihm ausgelöst, dass er ihn zu vielen hundert Seiten inspiriert hat: Ein Trigger?

Nicht wirklich – denn Marcel Proust hat, so kann man zumindest vermuten, in jedem Augenblick gewusst und gespürt, dass all die Erinnerungen und Empfindungen, die ihn erfüllten, in der Vergangenheit lagen. Sie waren auch nicht in erster Linie schrecklich oder traumatisch. Er war ihnen nicht völlig ausgeliefert, er konnte sein Schreibbuch zuklappen und sich wieder in der Gegenwart orientieren.

Bei einem „Trigger“ ist es anders:

Der Sinneseindruck legt einen Zeitschalter in dir um.

Das Erleben des Vergangenen wird unmittelbar in die Gegenwart übertragen, so als würde das Vergangene HIER UND JETZT geschehen. Oft ist nicht einmal eine zusammenhängende Geschichte dazu im Gedächtnis abgespeichert, sondern nur einzelne beängstigende und bedrohliche Fetzen, wie in einem Horrorfilm – was das Ganze noch beängstigender macht, weil du es nicht einordnen kannst.

Was hat das alles mit deinem Autonomen Nervensystem zu tun?

Dein Autonomes Nervensystem reagiert wie ein Wachhund. Es wird für dein Überleben kämpfen und das auf seine Weise tun, wenn du ihm nicht ganz klar sagen kannst, was jetzt sinnvoll ist und was DU willst.

Traumatische Erfahrungen werden – zu deinem eigenen Schutz – oft nicht vollständig in deinem Gedächtnis gespeichert, sondern als unzusammenhängende Eindrücke, die dann bei ähnlichen Eindrücken dieselben Empfindungen wie in der Vergangenheit direkt abrufen und in deinem Organismus aktivieren – durch Ausschüttung von Stresshormonen und viele andere physiologische Reaktionen, die wiederum Empfindungen und Gefühle hervorrufen – ein Triggererlebnis.

Wenn du etwas sehr Bedrohliches erlebt hast, vielleicht sogar mehrfach und schon sehr früh in deinem Leben, wird es auf den Überlebensmodus trainiert sein, auf potenziell Bedrohliches empfindlich reagieren und andere Signale gar nicht mehr richtig wahrnehmen.

Wenn es dir so geht und du das alles nun verstanden hast, lass es mal in dich reinsacken.

Vielleicht kannst du dich selbst und deine Reaktionen mit etwas anderen Augen sehen, so wie ich: mit einem liebevollen, mitfühlenden Blick…

In meinem nächsten Blogbeitrag erzähle ich dir, wie du wieder Orientierung in der Gegenwart gewinnen und ohne ständige Angst vor Triggern dein Leben gestalten kannst.

Bleib dabei und werde Experte für dein Erleben!

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Ich freue mich, mit dir in Verbindung zu bleiben

Elisabeth

Warum heißt dieses Nervensystem „autonom“ ?

Warum heißt dieses Nervensystem „autonom“ und wie kann ich es trotzdem beeinflussen?

Tja, ganz einfach gesagt: Dieses Nervensystem heißt autonom, weil es autonom, also selbsttätig agiert. Wir können – und müssen! – es nicht direkt beeinflussen.

Und das ist gut so!

Stell dir einmal vor, du müsstest ständig deinen Herzschlag, den Sauerstoffgehalt deines Blutes, deine Hormonzyklen, die Tätigkeit deines Immunsystems, deine Verdauung – und all die unzähligen anderen hochkomplexen, lebenswichtigen Prozesse in deinem Körper kontrollieren, regulieren, einstellen etc….

Puuh, ich kann dir sagen, ich wäre damit nicht nur total überfordert, sondern ich könnte mich um überhaupt nichts anderes kümmern! Es wäre mega-stressig und ich hätte keine Chance, auch nur die scheinbar kleinsten und einfachsten Dinge gut geregelt zu bekommen!

Das Autonome Nervensystem leistet dir unschätzbare Dienste, indem es rund um die Uhr in jedem Augenblick für dein Überleben sorgt – du bist sozusagen der lebendige Beweis dafür, dass es bis zu diesem Zeitpunkt, in dem du diese Zeilen liest, hocheffizient für dich gearbeitet hat.

Einmal tief durchatmen und danke an dein Autonomes Nervensystem sagen!

Wenn du sehr schlimme und bedrohliche Dinge erlebt hast, schaltet dein Autonomes Nervensystem in einen Überlebensmodus – Kampf, Flucht oder Erstarrung.

Und es kann sein, dass es aus diesen drei möglichen Überlebensmodi nicht mehr rausfindet. Oder es schaltet sich durch bestimmte Signale, die mit der bedrohlichen Situation nicht wirklich etwas zu tun haben, da hinein – um dich und dein Leben zu schützen! Nein, nicht um dich zu ärgern, dich zu beschämen oder dir das Leben schwer zu machen, sondern um dein Überleben zu sichern!

Mehr dazu in meinem nächsten Beitrag!

Das kann für dein weiteres Leben und Erleben fatale Folgen haben, auch wenn deine Umgebung in der Gegenwart genügend Sicherheit für dein Überleben bietet.

Dein Autonomes Nervensystem reguliert also deinen gesamten Organismus so, als wärest du permanent in Lebensgefahr! Und da es eben „autonom“ ist – ja, du merkst schon selbst, worauf das hinausläuft – agiert es nach seiner eigenen Einschätzung, der Neurozeption.

Mehr dazu in einem späteren Beitrag!

Gibt es also keinen Weg aus dieser Sackgasse?

Doch, gibt es!

In einer guten Traumatherapie eröffnen sich dir neue Wege des Erlebens. Erfahre dazu mehr auf meiner Webseite!

Du kannst auch durch einfache körperliche Übungen dein Autonomes Nervensystem dazu bringen, vom „Überlebensmodus“ in den „Lebensmodus“ umzuschalten.

Melde dich zu meinem kostenlosen Newsletter an und du bekommst ein Video mit drei einfachen und effizienten Übungen!

Profitiere von dieser einfachen Möglichkeit, dein Autonomes Nervensystem indirekt zu beeinflussen und es in die Lage zu versetzen, wieder Signale für Sicherheit und Verbundenheit wahrzunehmen!

Im nächsten Beitrag geht es um Signale, die dein Autonomes Nervensystem „triggern“ und wie du damit umgehen kannst.

Bleib dabei und werde ExpertIn/e für dein Leben und Erleben!

Ich freue mich, mit dir in Verbindung zu bleiben!

Bis bald!

Elisabeth

Warum ist es so wichtig und entlastend, wenn ich über die Funktion meines Autonomen Nervensystems Bescheid weiß?

Im letzten Blogartikel habe ich dir anhand der „Erlebenspyramide“ gezeigt, wie groß der Einfluss deines Autonomen Nervensystems auf dein Befinden, dein Erleben, Fühlen, Denken und Handeln ist. Ich habe dir auch deutlich gemacht, wie wichtig seine Funktion für dein Dasein und Überleben ist.

Heute erkläre ich dir die drei Grundzustände des Autonomen Nervensystems, deren evolutionsgeschichtliche Entwicklung und warum es so wichtig und entlastend für dich ist, diese Grundzustände zu kennen und bei dir selbst wahrzunehmen.

  1. Der Totstellreflex

Das älteste Überlebenssicherungssystem, die Erstarrung oder der Totstellreflex ist über 500 Millionen Jahre alt! Eine frühe Art von Fischen hat es entwickelt. Bei Bedrohung wird der ganze Organismus über einen bestimmten Teil des Nervensystems (das sog. Parasympathische Nervensystem mit dem rückwärtigen Vagusast) in Erstarrung versetzt, der Stoffwechsel und die Funktion der inneren Organe aufrechterhalten und eine Art Abschaltfunktion des Empfindens wird aktiviert.

Vor etwa 300 Millionen Jahren entwickelten Reptilien das sog. „Sympathische Nervensystem“. Bei seiner Aktivierung geht es um Überlebenssicherung durch Kampf oder Flucht. Dazu wird Erregung weitergeleitet, die im Organismus Energie mobilisiert, die dann wiederum in den Gliedmaßen des Organismus freigesetzt wird.

Das jüngste System der Überlebenssicherung wurde vor ca. 80 Millionen Jahren von den Säugetieren entwickelt. Hier geht es um Überlebensstrategien, die durch Beziehungen, Bindungen, Bindungsprozesse und emotionale Intelligenz gesteuert werden. Es wird vor allem durch den sog. „Vorderen Vagusast“, einen Teil des 10. Hirnnervs, repräsentiert. Dieser Nerv beeinflusst den Rhythmus und die Geschwindigkeit deines Herzschlags und die Funktion vieler inneren Organe. Zu diesem System gehören auch die sog. Kranialnerven, die den Gesichtsausdruck und die Stimmlage beeinflussen und so eine differenzierte nichtsprachliche Kommunikation unter Säugetieren ermöglichen.

Und jetzt kommts:

Du, als gegenwärtiger Endpunkt dieser unfassbar langen Entwicklung, trägst diesen ganzen angesammelten Schatz an Erfahrung und Lebensweisheit in dir, in deinem Organismus!

Macht das nicht Gänsehaut? Mir schon!

Zweifellos ist das ein großer Reichtum, den du da mitbekommen hast!

Wie mit allen Reichtümern ist es jedoch auch hier so, dass sie zu einer Belastung werden können, wenn wir nicht verstehen, sie richtig zu nutzen oder es einfach nicht oder falsch gelernt haben!

Für heute ist es wichtig, zu verstehen, dass dein Autonomes Nervensystem etwas ist, was dir mitgegeben ist, etwas Kostbares, das dich schützt und dein Überleben bis heute gesichert hat!

Im nächsten Blogartikel erkläre ich dir, wie die Schalter zwischen den oben beschriebenen autonomen Zuständen umgelegt werden, warum dieses Nervensystem „autonom“ heißt, und wie du es – trotzdem – beeinflussen kannst.

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Traumatherapie Praxis Speyer Elisabeth Schuster

Heilpraktikerin für Psychotherapie
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Elisabeth Schuster

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